Shanghai und die historische Altstadt von Qibao

Heute Morgen gibt es zusätzlich zum Frühstück noch ein Fußballspiel. Ich schaue die Aufzeichnung des Länderspiels gegen Nordirland von gestern Abend. Naja, wenn sie auch dieses Mal gewonnen haben, aber begeistert hat mich das nicht wirklich.

Um 08:45 Uhr verlasse ich meine Unterkunft in Richtung Metro Station. Mein heutiges Ziel liegt etwas außerhalb, ca. 18 Kilometer von der Innenstadt Shanghais entfernt. Auch hierher, zur Altstadt von Qibao, kommt man mit der Metro, aber von mir ist es eine lange Fahrt. Erst 10 Stationen mit der Linie 8, dann umsteigen und weitere 11 Stationen mit der Linie 9.

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Die reine Fahrtzeit ohne umsteigen wird schon mit 49 Minuten angegeben. In Sachen 24- oder 72-Stunden Pass und ob es sich finanziell lohnt, sei noch erwähnt, daß diese lange Fahrt als Einzelticket gekauft auch nur 5.- Yuan kostet.

Heute Morgen fahren die Bahnen wieder öfter als gestern. Ich schätze mal die Taktfrequenz bei der Linie 8 auf ca. 2-3 Minuten. Dementsprechend schnell kommen die Bahnen und ich komme schon um 9:42 Uhr bei der Metro Station Qibao an. Die Bahn ist immer leerer geworden, je weiter wir von der Innenstadt entfernt waren.

Um den kürzesten Fußweg zu gewährleisten, nehme ich den Ausgang Nr. 2. Leider ist es draußen schon wieder brütend heiß.

Nach knappen 10 Minuten in südliche Richtung laufen, bin ich schon an meinem Ziel. Die historische Altstadt Qibao (Ancient Town) liegt im Zentrum des Minhang Distriktes und ist die einzige antike Stadt im Großraum Shanghais mit einer über 1000-jährigen Geschichte.

Die Stadt wurde in der Nördlichen SongvDynastie (960–1126) erbaut und entwickelte sich während der Ming (1368–1644) und QingvDynastie (1644–1911) zu einem florierenden Geschäftszentrum. „Qibao Ancient Town“ ist das chinesische Wort für „sieben Schätze“ und es gibt zwei gängige Theorien zu seiner Herkunft. Die zuverlässigere besagt, dass der Name vom QibaovTempel stammt, der für seinen guten Ruf berühmt war. Dieser trug zum wirtschaftlichen und kulturellen Wachstum der bis dahin unbekannten Stadt bei. Die andere Theorie scheint unter den Einheimischen, die sich Volksmärchen über die sieben Schätze erzählen, populärer zu sein. Dabei handelte es sich um einen eisernen Buddha aus der Ming Dynastie, eine Bronzeglocke, die ebenfalls aus der Ming Dynastie stammt, aber angeblich auf mysteriöse Weise aus dem Nichts aufgetaucht ist, ein Lotos Sutra in Goldschrift, verfasst von einer kaiserlichen Konkubine aus dem 10. Jahrhundert, einen 1000 Jahre alten chinesischen Trompetenbaum, eine Jadeaxt, einen goldenen Hahn und ein Paar Jade-Essstäbchen. Von diesen sieben Schätzen konnte die Existenz nur der ersten vier nachgewiesen werden, während nur die Schrift und die Glocke bis heute erhalten geblieben sind.

Neben dem Lageplan am vorderen Eingang, gibt es noch einen Weiteren im innern der Altstadt.

Dieser schön angelegte Teich mit dem kleinen Häuschen befindet sich ebenfalls am vorderen Eingang mit dem Tor.

Auf Grund der frühen Uhrzeit ist in den kleinen Gassen noch wenig los. Egal aus welcher Richtung man kommt, sind einige Geschäfte noch geschlossen. Es gibt viele Läden mit Essen bzw. mit touristischen Souvenirs.

Ich sehe schon einige Besuchergruppen mit Führer anrollen und denke, daß es gegen Mittag hier richtig voll wird. Es gibt viele kleine Flußarme mit kleinen Brücken.

Diese Brücke erinnert ein bisschen an die Rialto Brücke in Venedig. Allerdings ist hier das Wasser deutlich grüner.

Mir reicht es, hier einmal durch ein paar Gassen zu schlendern. Da es wieder echt heiß wird, werde ich mir irgendwo einen Platz im Kühlen suchen.

Entsprechend des Hinweisschildes, geht es hier zum Qibao Tempel. Dieser dazugehörige Pavillon ist Teil des Tempelgeländes und direkt am Wasser.

Aus sicherer Entfernung sehe ich die große Pagode des Tempels. Näher gehe ich nicht ran, gestern hatte ich genug Tempel. Muß Heute nicht sein, wenn es sich vielleicht auch lohnen könnte.

Der Tempel stammt aus der Zeit der Fünf Dynastien und Zehn Staaten (907–960) und wurde während der Ming Dynastie weitgehend renoviert und erweitert. Er wird von der örtlichen Bevölkerung nicht nur deshalb hoch geschätzt, weil er angeblich die sieben Schätze beherbergt, sondern auch wegen seines prächtigen Aussehens und der großen Bedeutung, die er für die Entwicklung der Stadt Qibao hatte. Der Tempel wurde 2002 wiederaufgebaut und wurde im darauffolgenden Januar der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der neue Qibao Tempel mit seinen raffinierten Entwürfen für Gebäude und Gärten bietet Besuchern einen Einblick in die einzigartigen Architekturstile der Han (206–220 v. Chr.) und Tang Dynastie (618–907).

Die Örtlichkeit hier liegt übrigens, je nach An- bzw. Abflugrichtung, direkt in der Einflugschneise des Shanghai Hongqiao International Airport (SHA), dem 2. Flughafen Shanghais. Die Maschine, die gerade hinter dem Einkaufszentrum aufsteigt kann man schlecht erkennen.

Hier in diesem Einkaufszentrum gibt es nicht, was ich suche. Die nächste Filiale der Teekette CHAGEE befindet sich etwa 600 Meter entfernt und nachdem ich eh schon schwitzte, komme ich dort klatschnaß an.

Aber zunächst will ich eine Kleinigkeit essen, da ich schon wieder Hunger habe. Es zieht mich in die dortige KFC (Kentucky Fried Chicken) Filiale. Sie lassen mich dort persönlich keine Bestellung aufgeben und verweisen mich auf einen an der Wand hängenden QR-Code.

Nachdem ich diesen mit der Weechat App gescannt habe, komme ich auf die Seite von KFC. Zum Glück kann ich dort auch den integrierten Übersetzer aktivieren, was die dann weitere Bestellung und auch Bezahlung problemlos möglich macht. Ohne Übersetzer wäre es für mich schlicht unmöglich gewesen, eine Bestellung aufzugeben.

Nach dem Essen lasse ich mich zum auskühlen und entspannen in der besagten CHAGEE Filiale nieder. Bei der persönlichen Bestellung hilft mir ein Pärchen, welches meine Wünsche an das Personal übermittelt. Der junge Mann hinter der Theke hatte immer wieder in Chinesisch auf mich eingeredet bzw. mir Chinesische Schriftzeichen auf dem Tablet gezeigt, obwohl er eigentlich mitbekommen haben müsste, daß ich Null verstehe. Das zum Thema kommunikative Kompetenz.

Egal, der Tee war wieder gut, wenn auch etwas schlechter, als das letzte Mal. Das lag daran, daß ich dieses Mal ohne Zucker bestellt habe und beim letzten Male wurde ich danach nicht gefragt und es war wohl mit normal Zucker.

Bis zur Metro Station ist es zwar nur 10 Minuten zu Fuß, aber jetzt wo ich wieder trocken bin, laufe ich nur noch das Nötigste. Praktisch, das direkt vor der Mall eine Bushaltestelle ist und die Busse 1 Haltestelle bis zur Metro Station fahren.

Ich versuche mit dem generierten QR-Code für ÖPNV in Shanghai am Eingang zu scannen. Die Fahrt kostet 2.- Yuan, aber mehrere Versuche scheitern. Der Busfahrer winkt mich so rein und ich kann umsonst mitfahren.

Um 15:00 Uhr komme ich wieder an meiner Unterkunft an und es regnet (trotz Vorhersage) noch nicht. Klar, Heute habe ich auch einen Schirm dabei. Nach einer Dusche und frischen Klamotten sieht die Welt schon besser aus.

Um 16:00 Uhr kann ich dieses Foto, mit dem aufziehenden Gewitter und einem Blitz, aus meinem Zimmer machen.

Um 17:00 Uhr schüttet es draußen wieder und ich werde zum Abendessen quasi im Haus bleiben und den Foodcourt in B1 aufsuchen. Meine 72-Stunden Karte ist jetzt auch abgelaufen und hat sich Heute sicher nicht gelohnt, hatte ja nur die beiden langen Fahrten für jeweils 5.- Yuan Einzelpreis. Für Morgen habe ich noch nichts vor. Aber falls ich Metro fahre, werde ich es mit dem QR-Code auf dem Handy an den Stationen probieren.

Beim Abendessen fällt meine Wahl, nachdem ich Alles komplett abgelaufen bin, auf einen Laden mit dem Namen Sukiya.

Auf hier vermutlich wieder nur Bestellung und Bezahlung über einen QR-Code. Gefragt habe ich nicht, da ich es selbst probieren wollte. An jedem Sitzplatz ist der QR-Code individuell für diesen Sitzplatz angebracht.

Hier muß man Alipay öffnen und dann den Code scannen oder einfach das Handy links neben dem Code auflegen. Dank des Übersetzers klappt Alles we am Schnürchen und der Betrag von 27,80 Yuan (gab noch eine Gutschrift von 0,10 Yuan) oder 3,35 Euro wird abgebucht.

Es gibt paniertes Kotelette mit Soße und Gemüse, 1 Schale Reis, 1 Misosuppe und 1 frittierten Kartoffelpuffer. Der Becher mit Tee wird umsonst dazu gereicht.

Das Essen hat mir sehr gut geschmeckt und war von der Portion her auch ausreichend für mich.

Draußen regnet es immer noch, als ich wieder zum Zimmer laufe, wo ich ohne naß zu werden ankomme.



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