Als ich aufwache und nach draußen schaue muß ich feststellen, daß es wieder oder gar immer noch regnet. Ein Blick in die Wetter App sagt mir, daß es Heute den ganzen Tag regnen soll.
Um mir etwas zum Essen zu besorgen, gehe ich kurz vor die Türe, wo dieser Stand fast vor meiner Haustüre aufgebaut wurde.

Schräg gegenüber, auf der anderen Straßenseite, finde ich noch ein Geschäft, welches geöffnet hat und auch irgendwelche Teile verkauft.

Ziemlich fettig und vom Geschmack nicht wiederholungsbedürftig waren die beiden Teile, die jeweils 5.- Yuan gekostet haben.

Nachdem ich mir das Basketball EM-Viertelfinale gegen Slowenien angeschaut habe, lauf ich los. Im Moment hat es auch nur noch 21 Grad Celsius draußen, was ein deutlicher Temperatursturz im Vergleich zu den 35 Grad in Shanghai sind. An der Metro Station Yongningmen nutzt man bereits den andauernden Regen und hat eine Verkaufsstelle für Regenschirme eingerichtet.

Heute werde ich bei der Gepäckkontrolle aufgefordert meine Wasserflasche zur genaueren Kontrolle aus meinem Rucksack zu nehmen.

Am Ticketschalter kaufe ich mir eine Tageskarte (24 Stunden) für die Metro zum Preis von 15.- Yuan.

Meine heutige Strecke ist wieder so lang, daß ich für die Fahrt hin und zurück schon 16.- Yuan bezahlen müsste und sich deshalb die Tageskarte schon lohnt.

Mir gegenüber sitzt ein junger Mann, der Sneaker einer mir nicht bekannten Marke trägt.

Nach 2 Mal umsteigen (in die Linie 1 und 9) und 58 Minuten reiner Fahrzeit, komme ich an der Station Huaqingchi an und verlasse die Station am Ausgang C.

Hier lauern schon einiger Schlepper, die sich auf alle Touristen stürzen, die die Station verlassen. Ich will zur Bushaltestelle, die sich nur wenige Meter, in Sichtweite befindet.

Von hier will ich eigentlich mit dem Bus 602 fahren, doch es kommt zunächst der Bus 613. Ich frage nach, was eine Fahrt kosten soll. Nachdem der Preis nur 5.- Yuan ist, steige ich ein. Zur Bezahlung scannt man einen Alipay Code am Eingang zum Bus.

Der andere Bus würde nur 2.- Yuan kosten, doch der 613 fährt ohne Halt direkt zu meinem Ziel „Museum des Mausoleums von Kaiser Qinshihuang“ im Bezirk Lintong von Xi’an. Wir werden allerdings etwas abseits auf einem großen Parkplatz abgesetzt.

Nach einem kleinen Fußmarsch komme ich zu den Verkaufsstätten für Essen u.a. der Attraktion. Da ich noch keine Eintrittskarte habe, auch nicht sicher weiß, ob ich noch Eine für Heute bekommen kann, gehe ich erst mal zum Mittagessen.

Während ich auf mein bestelltes Essen warte, ziehen draußen bei weiter anhaltendem Regen die Besucherströme vorbei. Hauptsächlich fallen mir Gruppen mit Führer und Fahne auf.

Nach 10 Minuten kommen meine bestellte Portion Pommes und eine Cola. Ich reklamiere, da ich keine Cola, sondern einen Hähnchenburger bestellt habe. Irgendwie machen Sie mir klar, daß mein Burger noch dauert und die Cola deshalb für mich ist. Nach weiteren 20 Minuten habe ich schon fast alle Pommes gegessen und der Burger mit einem riesigen frittierten Hähnchenfilet kommt endlich. Geschmacklich ist der Burger sehr gut und für den Preis von weniger als 4.- Euro (an so einer Touristenattraktion) ist schon mehr als ok.

So eine Handwaschstation habe ich vorher auch noch nicht gesehen. Einseifen, abspülen, trocknen mit Tüchern, Alles in einem Gerät.

Nachdem ich dachte, daß die Besucherströme etwas abreißen (was natürlich nicht so war), laufe ich in Richtung des Ticketsshops. Die Terrakotta-Armee, auch bekannt als Terrakotta-Krieger und -Pferde, wurde von Kaiser Qin Shi Huang (259 v. Chr. – 210 v. Chr.), dem ersten Kaiser des vereinten Chinas, zum Schutz seines Mausoleums erbaut und stellt eine unterirdische Legion lebensgroßer Terrakotta-Krieger und -Pferde dar. Sie gilt als das „achte Weltwunder“ und ist eines der beiden verbliebenen „Weltwunder“ und wurde in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.


Hier gibt es keinerlei Andrang und es ist nur ein Schalter geöffnet. Ich gehe davon aus, daß die überwiegende Anzahl an Tickets (und ich habe gelesen, es werden täglich 65.000 Tickets verkauft) online verkauft werden.

Der Ticket Preis für einen Erwachsenen beträgt 120.- Yuan, also fast 15.- Euro. Auch hier muß ich meinen Reisepass vorzeigen, bevor ich das Ticket ausgestellt bekomme.

Am Eingang haben sich Schlangen gebildet, da es seine Zeit dauert, bis die Eintrittskarten kontrolliert und mitgeführte Taschen gescannt sind.

Im März 1974 stießen mehrere Dorfbewohner beim Graben eines Brunnens zufällig auf die Terrakotta-Armee. Diese Terrakotta-Krieger und -Pferde stellen die größte und kunstvollste Ansammlung von Keramikfiguren in der alten chinesischen Geschichte dar und blicken auf eine über 2.200-jährige Geschichte zurück. Das Mausoleum des Qin Shi Huang erstreckt sich über eine Fläche von 56 Quadratkilometern, was der Größe von 78 Verbotenen Städten entspricht, und die Terrakotta-Armee ist nur ein Bruchteil der zahlreichen Grabgruben. Bemerkenswerterweise weist jede Terrakottafigur ein unverwechselbares Aussehen auf. Ursprünglich waren sie leuchtend bemalt, doch bei der Ausgrabung rissen und blätterten die Farbschichten aufgrund von Umweltveränderungen schnell ab, sodass sie ihren heutigen erdigen Grauton erhielten.
Als Symbol der großartigen Zivilisation des alten China hat sich die Terrakotta-Armee zu einem beliebten Reiseziel für China-Reisende entwickelt und zieht jährlich Scharen von Touristen aus dem In- und Ausland an. Hier können Besucher die lebensechten und imposanten Terrakotta-Krieger aus nächster Nähe betrachten und in die militärischen Fähigkeiten und die Handwerkskunst der Qin-Dynastie (221 v. Chr. – 207 v. Chr.) eintauchen.
Die Hauptattraktionen befinden sich auf der linken Seite des hier aufgestellten Lageplans.

Bis man dorthin kommt, muß man wieder einen recht langen Fußweg hinter sich bringen. Vor dem Zutritt auf dieses Gelände wird nochmals die Eintrittskarte kontrolliert.
Ich starte zunächst in die Ausstellungshalle (Exhibition Hall) für Kulturgüter der archäologischen Entdeckungen im Mausoleum von Kaiser Qinshihuang.

Basierend auf den archäologischen Ausgrabungsergebnissen am Mausoleum des Kaisers präsentiert diese Ausstellung 230 ausgewählte Kulturgüter, die den Höhepunkt der Ausgrabungsleistungen seit 1974 verkörpern. Die Ausstellung bietet eine umfassende und vielschichtige Darstellung des Aussehens und der Bedeutung des Mausoleums und bietet tiefere Einblicke in die antike chinesische Bestattungskultur und kaiserliche Symbolik.


Da ich wegen den Hallen, ins Besonderen der Großen, hier bin, halte ich mich in den überfüllten Räumen nicht sehr lange auf und mein Weg für mich in die Grube (Pit) 2.


Die größte Vielfalt an Terrakotta-Kriegern, auf einer Fläche von rund 6.000 Quadratmetern, präsentiert die Grube 2. Hier gibt es eine komplexere und vielfältigere militärische Konfiguration mit Kavallerie, Streitwagen und Infanterie. Sie stellt eine gemischte Formation dar, in der verschiedene Militäreinheiten harmonisch zusammenarbeiten und die vielseitigen Kampffähigkeiten der Qin-Armee veranschaulichen.

Die Ausgrabungen in Grube 2 dauern derzeit an und bieten Besuchern die einzigartige Gelegenheit, die Ausgrabungs- und Restaurierungsprozesse der Terrakotta-Armee in Echtzeit mitzuerleben. Darüber hinaus zeigen Vitrinen in der Grube eine Reihe von Figuren, darunter kniende und stehende Bogenschützen, Kavalleristen sowie Offiziere mittleren und hohen Ranges, und ermöglichen so eine detaillierte und hautnahe Betrachtung der Armee.


Im Mai diesen Jahres kletterte ein Chinesischer Tourist mit einem psychischen Problem über einen Zaun und sprang in einen Teil der weltberühmten Ausstellung und beschädigte zwei antike Tonkrieger. Ich vermute mal, daß dies der Grund dafür ist, daß jetzt in allen Gruben Security Personal anwesend ist.

In einer Vitrine kann dieser kniende Bogenschütze, eine Art gepanzerter Infanterist, bewundert werden. Er wurde im Zentrum der Bogenschützenformation nordöstlich von Grube 2 ausgegraben. Die Haltung beider Hände weist darauf hin, dass die Figur ursprünglich eine Armbrust hielt. Insgesamt wurden in Grube 2 160 kniende Bogenschützen gefunden.

Von der Grube 2 wechsle ich durch den Hinterausgang in das Gebäude, in dem sich die Grube 3, die etwa 520 Quadratmeter groß ist. Sie enthält 68 Kriegerfiguren und einen von vier Pferden gezogenen Streitwagen. Experten vermuten, dass diese Grube wahrscheinlich als Kommandozentrale für die gesamte Armee diente. Trotz ihrer relativ kompakten Größe nimmt sie eine zentrale Stellung ein.


Bemerkenswerterweise ist Grube 3 die einzige Grube, die von einem Brand verschont blieb. Dadurch sind die relativ gut erhaltenen bemalten Verzierungen auf den Terrakotta-Kriegern erhalten geblieben, die bei der Ausgrabung noch deutlich zu erkennen waren.

Auf dem Rundgang um diese Grube ist es zwar voll, aber man kann sowohl gut herumlaufen, als auch entspannt Fotos machen.



Nachdem ich bereits berichtet habe, daß unserer Bundespräsident a.D. zu Besuch im Jüdischen Museum in Shanghai war, hatte er auch dieses Weltkulturerbe in Xi’an besucht.

Ich bin auf dem Weg zu der für mich letzten Station hier, der prächtigsten Grube mit den meisten Figuren, der Grube 1. Hier ist der Besucherandrang deutlich höher, als bei den anderen Gruben. Allerdings kann man, ohne Wartezeiten, durchlaufen.

Die Grube 1 ist die größte, am frühesten ausgegrabene und am besten erhaltene der Terrakotta-Armee. Mit einer Ausdehnung von 230 Metern von Ost nach West und 62 Metern von Nord nach Süd umfasst sie eine Gesamtfläche von 14.260 Quadratmetern, was etwa der Größe von zwei Fußballfeldern entspricht. Auf Grund des Besucherandranges an dieser Stirnseite, kann man nicht nach vorne durchdringen.

Auch daneben und seitlich ist hier einiges los und ich muß mich etwas durchdrücken, um mal diese Übersichtsaufnahmen der gesamten Halle machen zu können.


Wie man sieht, sind im Inneren Reihen von Kriegerfiguren und Terrakottapferden sorgfältig angeordnet, jede im gleichen Maßstab wie ihre realen Vorbilder. Mit rund 6.000 dieser Figuren, die in einer beeindruckenden quadratischen Formation angeordnet sind, ist die Szenerie sowohl großartig als auch beeindruckend und erweckt den Eindruck einer kolossalen Armee, die bereit ist, in die Schlacht zu ziehen.
An der Seite ist ein richtiges Gedränge, ins Besondere durch die Chinesischen Touristengruppen, die sich immer gesammelt fortbewegen. Manchmal komme ich an das Geländer.


Auf der gegenüber liegenden Stirnseite kann man, im Gegensatz zum Eingang, etwas entspannter Fotografieren.

Nachdem ich auf dem Balkon die komplette Grube fast umrundet habe, gelingen mir, nach meiner Ansicht, die besten Bilder.



Mittlerweile ist es an der Stirnseite beim Eingang etwas leerer geworden, so daß ich ein paar Bilder direkt vorne am Geländer machen kann.

Die Terrakotta-Krieger in Grube 1 sind alle mit Bronzewaffen ausgestattet, darunter Bögen, Armbrüste, Pfeilspitzen, Speere, Hellebarden, Hellebarden (Schlösser), Keulen, Schwerter und goldene Haken. Diese Waffen wurden mit fortschrittlicher Handwerkskunst hergestellt und sind immer noch glänzend und scharf.

Die Armee-Aufstellung von Grube 1 zeigt kombinierte Kampfformationen aus Wagenlenkern und Infanteristen. Am östlichen Ende der Grube die Reihen der Vorhut. Unmittelbar hinter der Vorhut befindet sich der Hauptteil der Schlachtformation. Am äußeren Rand der Schlachtformation befindet sich jeweils eine Reihe von Soldaten, die nach Süden, Norden und Westen ausgerichtet sind.

Alle Keramikkrieger und -pferde wurden aus lokalem Ton hergestellt und anschließend im Ofen gebrannt. Nach dem Brennen wurden die Figuren mit bemalten Details versehen. Die Qin-Terrakottakrieger und -pferde waren lebensgroß und mit Hilfe alter Hochtechnologie aufwendig gefertigt.

Das Museum des Mausoleums von Kaiser Qinshihuang hat noch weitere Teile und umfasst auch den Lishan-Garten, einen Kulturpark im Kernbereich des Mausoleums. Auf Grund des Wetters, der vielen Menschen und weil ich nur die 3 Gruben besuchen wollte, spare ich mir das und mache mich im Regen auf den Rückweg.
Nach einer kleiner Pause in einer Filiale der Teekette CHAGEE laufe ich zur Bushaltestelle und nehme wieder den Bus 613.

Direkt an der Metro Haltestelle gibt es auch ein paar schöne Dinge zum Fotografieren. Die Seilbahn, die im Hintergrund auf den Berg führt, kann man wegen des Regens nicht erkennen.

Da Morgen das Wetter etwas besser als Heute sein soll, will ich Morgen etwas in der Altstadt von Xi’an bummeln. Um mir einen kleinen Überblick zu verschaffen, steige ich aus der Linie 2 schon eine Haltestelle früher aus. Diese Haltestelle heißt Zhonglou und befindet sich direkt unterhalb des Glockenturms.

Der ganze Bereich hier ist untertunnelt und es gibt insgesamt 9 Ausgänge. Es ist mittlerweile 17 Uhr und es regnet immer noch. Nicht nur unterirdisch, auch draußen sind jede Menge Menschen unterwegs.

Hier wird auf die lange Stadtmauer um die Altstadt von Xi’an hingewiesen.

Nachdem das Essen gestern hier gut geschmeckt hat, suche ich den gleichen Laden Heute wieder auf.

Ich bestelle über den QR-Code Heute wieder Nudeln, aber dieses Mal mit Seafood. Der Preis liegt ebenfalls bei 23.- Yuan.

Das Essen war Heute ok und auch geschmeckt, aber gestern war es irgendwie besser gewürzt und auch geschmacklich besser.

Trotz meines Regenschirms (und es regnet immer noch) bin ich etwas durchnässt, als ich bei meiner Unterkunft ankomme. Da tut die warme Dusche wieder richtig gut, bevor ich mich schlafen lege.


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